Schmuck & Trauringe
Barbara Mohr
Goldschmiedin
Kulta

Münstergasse 42
CH-3011 Bern

T +41 (0)31 311 10 64

Do & Fr 10.00 - 18.30
Sa 10.00 - 16.00

»Ökumenischer Gottesdienst: Thema GOLD!«

Sonntag, 21. Februar 2016, 10:00 Uhr, Kirche Münchenbuchsee

 

Zur Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer "Verantwortung tragen - Gerechtigkeit stärken"

Interview mit Barbara Mohr, Goldschmiedin, Atelier Kulta Bern

Trauring in Gelbgold und Ring in Blassgold gehämmert Collier in Roségold Ohrclip in Roségold mit Rosaturmalin Ankercollier in Gelbgold und Anhänger in Gelbgold mit Turmalin

Wie viel Gold verarbeiten Sie jährlich in Ihrem Atelier?

Barbara Mohr: Das weiss ich leider selbst nicht. Ich bestelle mein Gold auf Bedarf und berücksichtige natürlich auch den aktuellen Goldpreis. Über den Daumen gepeilt, sind es vielleicht drei Kilo, davon werden etwas mehr als 2 Kilo in Schmuckstücke verarbeitet, der Rest landet als Feilung im Rezyklierzyklus.

Wo beziehen Sie ihr Gold und woher stammt es?

Barbara Mohr: Ich beziehe mein Gold von der Firma Gyr in Baar. Es gibt in der Schweiz einige grosse Goldscheideanstalten, zum Beispiel die Firma Metallor oder Cendre Metaux. Die Firma Gyr hat sich vor etwa 20 Jahren auf die Bedürfnisse von uns kleinen Goldschmiedeateliers spezialisiert. Wir beziehen unser Gold nicht in Barren, sondern als sogenanntes Halbzeug. Das heisst, wir bestellen unser Material legiert zu 750er Gold in Blechform, als Walzdraht, Stäbe und Drähte in den verschiedensten Dimensionen beim Goldhändler. Das Legieren und das Formen der gewünschten Ausgangslage kostet den Goldschmied Façon, die er zusätzlich zum Feingoldpreis pro Gramm dem Lieferanten bezahlt. Ein kleines Beispiel: Wenn ich beispielsweise ein Stück Goldblech mit 1mm Dicke bestelle, welches weniger als 10 Gramm wiegt, bezahle ich 6.80 pro Gramm Façon. Wenn ich aber ein Stück bestelle, welches über 100 Gramm wiegt, bezahle ich nur noch 2.30 pro Gramm Façon. Der Façonpreis ist der Preis, den ich einer Firma bezahle, um legiertes Gold in der gewünschten Form zu erhalten. Je mehr Gold ich also bestelle, desto tiefer ist für mich der Façonpreis. Nun ist es aber für die kleinen Ateliers nicht immer möglich, grössere Posten einer Sorte Halbzeug anzukaufen und die Façonpreise dieser grossen Firmen, die vor allem die Schmuckindustrie und Uhrenindustrie beliefern, wurden für Kleinmengen immer teurer. Für diese Lieferanten ist es wenig interessant für Kleinbetriebe kleine Mengen an Halbzeug zu rüsten und so wurden die Preise mit den Jahren exorbitant. Dies erkannte die Firma Gyr und bietet seitdem Goldschmieden zu attraktiven Preisen Halbzeug an ohne Kleinmengenzuschlag. Das Gute ist auch, dass die Firma Gyr ausschließlich mit Recyclinggold handelt. Dies ist möglich, da sich über die Jahre der Rückfluss und die Nachfrage eingependelt haben.

Wurde Ihnen auch schon Gold aus fragwürdigen Quellen zum Kauf angeboten?

Barbara Mohr: Es gibt immer wieder Leute, die sich im Goldgeschäft versuchen. Da schrillen bei mir jeweils alle Alarmglocken. Diese, in meinen Augen fragwürdigen Firmen, locken jeweils mit noch besseren Konditionen. Nur fragt sich einfach, auf wessen Kosten dies schlussendlich möglich ist. Im Goldgeschäft kann man schnell viel Verwirrung stiften. Darum halte ich auch von den meisten Altgoldhändlern nicht viel, die durch die Restaurants tingeln. Alles hat seinen Preis. Für mich muss ein Goldhändler genauso vertrauenswürdig sein wie eine Bank. Ich habe bei meinem Goldhändler ein Goldkonto, welches wie ein Bankkonto funktioniert. Die Voraussetzung für mich ist, dass er solvent ist und er - auch wenn die Börse einmal verrückt spielt - einen breiten Rücken hat. Wenn der Goldpreis attraktiv ist kaufe ich manchmal Gold aufs Konto - also nicht physisch - und die Abfälle welche ich über die Monate sammle werden als rezykliertes Feingold darauf gutgeschrieben. Darum ist für mich ein vertrauenswürdiger Goldhändler existenziell und da lasse ich lieber die Finger von einem angeblich „gutes Geschäft“.

Gibt es eine Geschichte zu einem Schmuckstück, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Barbara Mohr: Für mich hat jedes Schmuckstück eine potenzielle Geschichte. Manchmal hat es eine Entstehungsgeschichte die es jedoch nur mit mir teilt.
Wenn ein Stück in die Hände des neuen Besitzers oder der Besitzerin wechselt, beginnt seine eigentliche Geschichte. Ein Schmuckstück steht für mich für Vieles. Einen Lebensabschnitt, eine Geburt, eine Verbindung, usw. Aber es gibt eine Geschichte, an die ich mich immer wieder erinnere. Ich hatte einmal eine blinde Kundin. Es war für mich natürlich etwas ganz Neues und unglaublich interessant. Zuerst beschrieb ich Ihr die verschiedenen Schmuckstücke rudimentär. Also: es ist ein Ohrhänger oder ein Ring mit oder ohne Stein etc. Dann nahm sie die jeweiligen Schmuckstücke in die Hand und ertastete sie Stück für Stück. Es war beeindruckend und auch lustig, denn Ihr Urteil war äusserst scharf. Mir hat das sehr gefallen, einmal meine Schmuckstücke aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Sie war gnadenlos...

Was geschieht mit dem Rohstoff nach der Förderung, wie wird Gold behandelt, damit daraus Schmuck entstehen kann?

Barbara Mohr: Feingold ist sehr weich. Damit es besser verarbeitet werden kann und strapazierfähiger ist, wird es legiert, das heisst es werden auf 750 Teile Feingold 250 Teile andere Metalle wie Silber, Kupfer oder Palladium beigemischt. Daher auch die Bezeichnung 750er Gold. Dies wird auch so gestempelt. Das im Volksmund bezeichnete 18 Karat gibt es eigentlich gar nicht und auch eine Stempelung mit 18 Karat ist nicht korrekt. Da sollte man vorsichtig sein. Je nach Metall welches beigemischt wird verändert sich die Farbe und die Eigenschaften. Für Weissgold mischt man dem Feingold beispielsweise Palladium zu, davon erhält es dann seine weisse Farbe. Bei Rot und Roségold wird Kupfer beigemischt, welches das Gold neben dem Effekt des wärmeren Farbtons auch deutlich strapazierfähiger macht. Legiertes Gelbgold, so wie wir es kennen, gibt es noch gar nicht so lange. Das merkt man daran, dass die Eheringe unserer Eltern und Grosseltern, wie auch viel antiker Schmuck, in Rotgold gefertigt sind. Das Legieren wie auch das Wiederaufbereiten der Goldabfälle ist ein chemisch und technisch hochkomplexer Vorgang. Eine giftige Sache. Gold wird im Gegensatz zu Eisen aber immer kalt verarbeitet. Nur damit sich die Atome nach dem Schmieden wieder in das ursprüngliche Kristallgefüge zurücksetzen, wird es von Zeit zu Zeit geglüht. Sonst würde es reissen.


Sie arbeiten ohne technische Hilfmittel wie Drehbank oder Giesstechnik. Welche Schritte passieren, bevor aus dem Rohstoff Gold ein anschmiegsames Schmuckstück entsteht?

Barbara Mohr: Meine Ausgangslage ist je normalerweise ein Stück Blech oder ein Stück Walzdraht. Dieses wird zuerst geglüht. Dann wird gesägt, gewalzt, gefeilt, geschmiedet, gebogen und gelötet. Das sind zum Teil grobe Arbeitsgänge die viel Kraft erfordern. Ich habe daher auch Hände wie ein Hufschmied. Dafür spüre ich das Material immer 1:1 in meiner Hand, das ist für mich wichtig, denn nur so kann ich beurteilen, ob alles stimmt. Einfacher ist es natürlich, wenn man ein Schmuckstück nicht direkt im Gold verarbeitet sondern zuerst im Wachs formt und nachher giesst. Wenn ich sage einfacher, meine ich nicht, dass es dafür weniger handwerkliche Fertigkeit braucht, sondern es ist einfach eine andere Herstellungsweise und das Schmuckstück bekommt einen anderen Charakter. Zudem hat man natürlich weniger Abfall- und schönere Hände:-) Mir gefällt jedoch der Charme eines handgeschmiedeten Stücks, eine gewisses Mass an „Ungenauigkeit“ machen es weicher und „lieber“, anders als 100% genau von der Drehbank abgedreht.


Was ist in Ihren Augen das Besondere am Rohstoff Gold, was bedeutet er Ihnen persönlich?

Barbara Mohr: Was mich an Gold am meisten fasziniert ist, dass es aus der Natur kommt. Es ist alt, ein Schatz aus der Erde. Ein Material von unvergänglicher Schönheit. Doch es ist nicht wie der Sonnenuntergang oder die imposante Bergkette die für Jeden sichtbar ist. Es ist ein Rohstoff und somit problematisch. Als ich mich entschieden habe, Goldschmiedin zu lernen und auch noch lange Zeit darauf habe ich mir nie Gedanken gemacht, was ich eigentlich täglich in den Händen halte. Schliesslich bin ich ja Goldschmiedin und arbeite mit Gold, das war selbstverständlich. Dies hat sich in den letzten Jahren für mich geändert, und ich finde es gut dass es endlich auch in der Gesellschaft ein Thema ist. Wir leben in einer Welt, wo die Ausbeutung von Mensch und Natur an der Tagesordnung ist. Ich finde aber, dass man als einzelner viel dazu beitragen kann, wenn man alles mehr wertschätzt. Die Wertschätzung und das Bewusstsein an sich ist für mich das Zauberwort und der tröstliche Grund, warum ich trotz allem sehr gerne mit Gold arbeite. Ich möchte Schmuckstücke schaffen, die keine Statussymbole sind, sondern kleine Freuden, Begleiter, Zeichen und Erinnerungen. Dieses schöne Produkt aus der Natur zusammen mit Handarbeit lässt sich wertschätzen und überdauert alles.


Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig, wie sieht Ihre Arbeitsphilosophie aus?

Barbara Mohr: Natürlich ist mir gute Qualität und Transparenz wichtig. Dann ist es mir wichtig, dass Schmuck nicht einfach zum Luxusgut wird. Ich sehe mich auch als Dienstleisterin, die mit dem Know How ihres Handwerks auch einem lieb gewonnenem Stück neues Leben gibt. Ich bin mir nicht zu schade, etwas zu reparieren. Denn dies ist schlussendlich das Wertschätzen eines Schmuckstücks. Ob etwas wertvoll ist oder wertvoll erscheint, ist eben sehr relativ. Ein glitzernder Stein von einer Wanderung, eine Brosche der Mutter oder die Trauringe der Grosseltern sind alles Dinge die Wert in sich bergen. Es macht mir sowieso grossen Spass, Schmuckandenken neues Leben einzuhauchen. Wenn eine gute Substanz vorhanden ist, können Schmuckstücke so geändert werden, dass sie auf die neue Trägerin wieder passen. So entstehen gehaltvolle Schmuckstücke, die erst noch ökologisch sind. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass etwas am vererbten Stück gefällt, zum Beispiel ein schöner Stein, oder dass man es einfach unbedingt tragen möchte. Leider ist es nicht möglich, wie sich das viele Leute vorstellen, dass man alten Schmuck nach Belieben wieder vom Goldschmied einschmelzen lassen und ein neues Schmuckstück daraus machen kann. Die Qualität des so geschmolzenen Goldes wäre zu schlecht um es bearbeiten zu können. Es wäre voller Poren (kleine Lufteinschlüsse) und würde reissen. Dies überlässt man lieber den Profis in der Goldscheideanstalt.


„Fairtrade Gold glänzt doppelt“ so lautet der Slogan von Max Havelaar. Was halten Sie von Fairtrade Gold und was sollte man beim Kauf von Goldschmuck beachten?

Barbara Mohr: Na ja, Max Havelaar ist sicher gut. Wenn ich die Wahl habe, kaufe ich den Kaffee oder die Schokolade auch lieber von einem Fairtradelabel. Beim Gold bin ich jedoch etwas skeptisch… Wenn ich den billigen gepressten und gegossenen Massenschmuck in den Warenhäusern sehe, frage ich mich ob weniger nicht einfach mehr wäre. Ich bin auch etwas misstrauisch, wenn man sieht, wieviel Greengold und Havelaargold plötzlich auf dem Weltmarkt sind. Da frage ich mich dann doch, warum in den meisten Minen noch solche Zustände herrschen. Ich denke, Recyclinggold mit solidem Handwerk ist sicher ehrlicher. Was ich Ihnen beim Kauf eines Schmuckstücks raten soll? Sie sollten begeistert sein davon, sich wohlfühlen und nicht bedrängt werden. Und etwas Schönes und qualitativ Gutes hat seinen Preis, der jedoch nachvollziehbar sein sollte. Je besser die Substanz eines Schmuckstücks, desto länger lässt es sich wertschätzen.


Was sollte sich die Kundin, der Kunde beim Erwerb eines Schmuckstücks überlegen?

Barbara Mohr: Zum Teil ist diese Frage ja oben schon beantwortet. Was mir jeweils sehr wichtig ist, dass meine Kunden nicht dass Gefühl haben, dass nur Teures gut ist. Klar kann ich keinen Ohrschmuck in Gold mit Brillanten für 150 Franken anfertigen. Aber ich kann zum Beispiel eine Ringschiene in Silber machen und den Stein in Gold fassen. So ist kann man auf ein kleineres Budget eingehen und trotzdem ein handgefertigtes Einzelstück anbieten. Es ist auch in einem kleineren Atelier nicht automatisch viel teurer. Oft ist das Gegenteil der Fall. Mieten, Angestellte und teures Marketing gibt es da nicht. Ich rate den Käufern, sich ungeniert zu informieren und sich auch in kleinen Ateliers umzuschauen ohne zu befürchten "dass man nicht mehr davon kommt". Grundsätzlich sollte man sich rundum wohl fühlen, denn Schmuck trägt man lange, da muss alles stimmen.


Was sollte sich die Kundin, der Kunde beim Erwerb eines Schmuckstücks überlegen?

Barbara Mohr: Zum Teil ist diese Frage ja oben schon beantwortet. Was mir jeweils sehr wichtig ist, dass meine Kunden nicht dass Gefühl haben, dass nur Teures gut ist. Klar kann ich keinen Ohrschmuck in Gold mit Brillanten für 150 Franken anfertigen. Aber ich kann zum Beispiel eine Ringschiene in Silber machen und den Stein in Gold fassen. So ist kann man auf ein kleineres Budget eingehen und trotzdem ein handgefertigtes Einzelstück anbieten. Es ist auch in einem kleineren Atelier nicht automatisch viel teurer. Oft ist das Gegenteil der Fall. Mieten, Angestellte und teures Marketing gibt es da nicht. Ich rate den Käufern, sich ungeniert zu informieren und sich auch in kleinen Ateliers umzuschauen ohne zu befürchten "dass man nicht mehr davon kommt". Grundsätzlich sollte man sich rundum wohl fühlen, denn Schmuck trägt man lange, da muss alles stimmen.


Das Motto der diesjährigen Kampagne lautet: „Verantwortung tragen“ was heisst das für Sie konkret im Rahmen Ihrer Arbeit als Goldschmiedin?

Barbara Mohr: Für mich heisst das vorallem: Nicht um jeden Preis… Damit meine ich, dass ein „Geschäft zu machen“ nicht an oberster Stelle steht. Damit meine ich aber auch, jemanden darauf aufmerksam zu machen, dass etwas noch verwertet werden könnte oder dass mit einem einfachen Eingriff etwas erneuert oder tragbar gemacht werden kann. Für mich heisst es aber auch, Beziehungen zu meinen Lieferanten zu pflegen und nicht bei Krethi und Plethi einzukaufen. Meine Edelsteine kaufe ich zum Beispiel bei zwei Steinhändlern, die ich seit Jahren kenne. Diese wiederum pflegen Beziehungen zu Ihren Minen. Ich bezahle gerne einen vielleicht etwas höheren Preis, dafür weiss ich, dass die Leute ordentlich bezahlt werden und ich keine kalibrierte Massenware verarbeite. Mit der Qualität meiner Handarbeit übernehme ich Verantwortung gegenüber dem Kunden und dem problematischen Rohstoff Gold. Wenn es mir gelingt, auf den Kunden einzugehen, entsteht ein einzigartiges Schmuckstück welches viele Jahre Freude macht.